Grossvater Otto Fahrni sen. war kein Mann grosser Worte, aber umso grösserer Schraubenzieher. In einer Zeit, als die Welt noch analog tickte und die Leute geduldig genug waren, auf den nächsten Zug und die richtige Uhrzeit zu warten, eröffnete er seine kleine Werkstatt.
Die Luft roch nach Messing, Maschinenöl und dem unerschütterlichen Glauben an Präzision. Jeder Schlag seines Hämmerchens klang wie eine stille Symphonie – ein Lobgesang auf die Ordnung im Chaos der Zahnräder.
„Eine Uhr“, pflegte er zu sagen, „ist nur so gut wie die Geduld ihres Uhrmachers.“
Und Geduld hatte er reichlich – sogar, wenn Kunden ihre Uhren erklärten, als hätten sie das Zeitgefühl persönlich erfunden.
Sein Sohn Otto Fahrni jun. übernahm das Handwerk – nicht ohne eine gewisse Skepsis. Denn während die Welt sich plötzlich schneller zu drehen begann, mit Quarzuhren, Batterien und später den unverschämten Digitalanzeigen, blieb Otto jun. ein Verteidiger der Mechanik.
Er hatte das Talent, eine Taschenuhr zu zerlegen und wieder zusammenzusetzen, ohne ein Teil übrig zu lassen – ein seltener Zauber in einer Zeit, in der alles ersetzbar wurde. Manchmal sprach er von Uhren, als wären es Charaktere: „Die Omega da drüben, die hat Temperament. Und die alte Junghans? Eine Diva.“
Er hielt die Werkstatt am Leben, durch Öl, Staub und leise Ironie. Denn er wusste, dass man den Fortschritt nicht aufhalten konnte – aber man konnte ihn charmant ignorieren.
Dann kam ich, Andreas Fahrni, die dritte Generation – mit einem Smartphone in der Hand und einem Uhrmacherherz in der Brust. Ich erkannte, dass die Zeit sich verändert hatte, aber das Bedürfnis nach ihr blieb. Also verband ich Tradition mit Moderne: alte Uhren restaurieren, neue verkaufen, und ab und zu einem Kunden erklären, dass eine Batterie kein Ersatz für Seele ist.
In meiner Werkstatt in Wil begegnen sich Geschichte und Gegenwart wie zwei alte Freunde: die eine trägt Patina, die andere Puls – doch beide schlagen im selben Rhythmus.
Und so tickt sie weiter, die Zeit der Familie Fahrni.
Manchmal gemächlich, manchmal ungeduldig – doch immer mit einem Herz aus Stahl, einer Seele aus Glas und einer Prise Ironie. Denn wer sich mit Zeit beschäftigt, weiss: Sie ist das Einzige, was man nie besitzt – und trotzdem ständig reparieren will.
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